Das im Jahr 1878 gegründete Völkerkundemuseum Herrnhut ist eng mit der Geschichte der Evangelischen Brüder-Unität (Herrnhuter Brüdergemeine, Moravian Church) und deren weltweit betriebener Mission verbunden.
Männer und Frauen dieser 1727 gebildeten christlichen Glaubensgemeinschaft waren es, die schon kurz nach Beginn ihrer Missionstätigkeit im Jahr 1732 völkerkundliche Zeugnisse aus vielen Regionen der Erde nach Herrnhut brachten. Sie wollten damit den Angehörigen zu Hause zeigen, wie Menschen in anderen Gebieten leben, wohnen, sich ernähren, kleiden, schmücken...
Der Herrnhuter Apotheker Bernhard Kinne (1812-1895) ergriff die Initiative, um diese Gegenstände in einem Museum zu vereinen und sie so vielen Interessenten zugänglich zu machen. Er wollte damit "den Nachkommen einen Schatz bewahren... und vielen Genuß und Belehrung gewähren."
Anlässlich des 125jährigen Gründungsjubiläums konnte im Jahr 2003 eine neue Dauerausstellung eingerichtet werden, die unter dem Titel "Ethnographie und Herrnhuter Mission" historische Kulturen solcher Völker zeigt, bei denen Brüder-Missionare wirkten. Gleichzeitig werden die Leistungen dieser Missionare gewürdigt, die durch ihre Beobachtungen, Aufzeichnungen und ihre völkerkundlichen Sammlungen einen beachtlichen Beitrag zur Bewahrung und Verbreitung von Wissen über diese Menschengruppen und deren Kultur geleistet haben.
Dargestellt werden die Kulturen der Inuit (Eskimo) von Grönland, Labrador und Alaska, die afroamerikanische Sklavenbevölkerung der karibischen Jungferninseln, Indianerstämme der Miskitoküste Nicaraguas und der Küstengebiete Surinames im nördlichen Südamerika. Die Bevölkerung Surinames wird auch durch die Marron ("Buschneger") und die Kreolen (ehemalige Sklaven afrikanischer Herkunft) sowie durch eingewanderte Chinesen, Inder und Indonesier repräsentiert. Auf dem afrikanischen Kontinent missionierten die Herrnhuter im Süden und im heutigen Tansania bei mehreren Völkern. Beide Regionen sind mit vielfältigen Kulturzeugnissen in der Ausstellung vertreten. Von Sarepta aus, einer Herrnhuter Ortsgründung an der unteren Wolga, bestanden Kontakte zu den Kalmyken, dem einzigen mongolischen Volk in Europa. Die dort gesammelte Einrichtung einer kalmykischen Tempeljurte gehört zu den Seltenheiten in europäischen Museen. Am Beispiel der Bevölkerung von Ladakh und Lahoul (Westtibet) wird die von der buddhistisch-lamaistischen Religion geprägte Kultur im Himalaya gezeigt. Auch von den Aborigines Australiens gelangten Gegenstände durch die Mission nach Herrnhut.
Eine Besonderheit des Museums sind 36 völkerkundliche Objekte aus der Südsee und von der nordwestamerikanischen Küste, die während der dritten Reise des englischen Kapitäns und Entdeckers James Cook (1728-1779) gesammelt worden sind und durch Angehörige der Brüder-Unität in London um 1781 nach Deutschland gebracht wurden.
Neben der ständigen Ausstellung des Museums werden in einem im Jahr 1994 errichteten Erweiterungsbau regelmäßig Sonderausstellungen zu völkerkundlichen und missionsgeschichtlichen Themen gezeigt.
Anschrift und Ausstellung:
Goethestraße 1
02747 Herrnhut
Telefon und Fax: +49(0)35873/2403
WWW:
www.voelkerkunde-herrnhut.de
voelkerkunde.herrnhut@ses.museum
Öffnungszeiten:
Montags und am 24. und 31.12. geschlossen
Dienstag bis Freitag: 9.00 bis 17.00 Uhr
Sonnabend, Sonntag und Feiertage:
9.00 bis 12.00 Uhr und 13.30 bis 17.00 Uhr