Das Museum für Völkerkunde Dresden besitzt ethnographische Sammlungen mit etwa 100.000 Objekten aus allen Teilen der Welt. Sammlungsschwerpunkte sind Ozeanien, die malaiische Inselwelt, Afrika, Südamerika, Ost- und Südasien, der Vordere Orient, die zirkumpolare Region sowie die Volkskulturen Europas. Eine Besonderheit des Museums stellt zusätzlich eine aus über 6.000 Objekten bestehende anthropologische Sammlung dar, deren Grundstock eine von Carl Gustav Carus angelegte Sammlung von Schädeln und Gipsabgüssen bildet. Etwa 70.000 Bilddokumente ergänzen die ethnographischen und anthropologischen Bestände.
Die Grundlage für die Sammlungen wurde 1560 mit der von Kurfürst August I. gegründeten "Kurfürstlichen Kunst- und Raritätenkammer" gelegt. Objekte außereuropäischer Herkunft wurden später in der "Indianischen Cammer" gesondert ausgewiesen. Auch im "Türkischen Zelt" – eine Trophäe, die beim Sieg über die Türken vor Wien 1683 erbeutet wurde – befanden sich außereuropäische Objekte. Spiegelten die Sammlungen im 17. Jh. hauptsächlich Repräsentationsbedürfnis und die Vorliebe für Kuriositäten wider, so begann man im 18. Jh. ethnographische Sammlungen nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten aufzubauen. Im Jahre 1875 gründete Adolf Bernhard Meyer das "Königliche Zoologische und Anthropologisch-Ethnographische Museum Dresden". Es war zu dieser Zeit das dritte Völkerkundemuseum in Deutschland. Während der 30-jährigen Amtszeit von A. B. Meyer wurden die Sammlungen beträchtlich erweitert, wobei das Hauptaugenmerk den ozeanischen und malaiischen Inselgebieten galt. Die vom Dresdner Museum zwischen 1908 und 1931 initiierten Expeditionen waren auf eine Erweiterung der Sammlungen aus diesen Gebieten, aber auch aus anderen Regionen der Erde ausgerichtet. Mitte der 20er Jahre hatte der Museumsbestand bereits eine Größe von 50.000 Objekten. Bedeutenden Sammlungszuwachs erhielt das Museum nach 1990 vor allem durch mehrere Sammelexpeditionen nach Brasilien, Neuguinea und Tunesien.
Zwischen 1875 und 1945 war das Völkerkundemuseum im Dresdner Zwinger untergebracht und hatte darüber hinaus Sonderausstellungsräume in der Orangerie an der Ostra-Allee. Mit der Zerstörung Dresdens 1945 verlor das Museum nicht nur seine Räume, sondern auch eine Reihe von Objekten.
Seit 1957 hat das Völkerkundemuseum seine Heimstatt im Japanischen Palais, einem nur wenige hundert Meter vom "Goldenen Reiter" stromabwärts gelegenen, prächtigen Barockgebäude. Hier werden seit 1977 in wechselnden Ausstellungen zu verschiedenen Themen die reichen Bestände des Völkerkundemuseums gezeigt. Vielseitige Veranstaltungsprogramme, darunter auch Ferienangebote für Schüler, begleiten die Ausstellungen. Eine Dauerausstellung befindet sich in Vorbereitung.
Bereits seit der Gründung des Museums bildeten museale und wissenschaftliche Arbeit eine Einheit. Eine umfangreiche ethnographische und anthropologische Spezialbibliothek wurde aufgebaut, und seit 1887 wurden die Forschungsergebnisse in den noch heute erscheinenden "Abhandlungen und Berichten" publiziert. Das Museum leistet mit seinen wissenschaftlichen und populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung von Kultur und Geschichte der Völker. Seit etwa 50 Jahren hat das Museum deshalb den offiziellen Status einer Forschungsstelle, womit der Forschungstradition und der Profilierung zu einem wissenschaftlichen Fachmuseum Rechnung getragen wurde. Auch zahlreiche ausländische Wissenschaftler haben in den Depots des Museums, die sich seit 1999 in einem neuerbauten Gebäudekomplex ("A. B. Meyer-Bau") in Dresden-Klotzsche befinden, gearbeitet.
Ausstellung:
Japanisches Palais
Palaisplatz 1101097 Dresden
Postanschrift:
Königsbrücker Landstraße 159
01109 Dresden
Tel. +49(0) 351 / 8144-860
Fax +49(0) 351 / 8144-888
WWW:
www.voelkerkunde-dresden.de
voelkerkunde.dresden@ses.museum
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
von 10.00 bis 18.00 Uhr
montags geschlossen
24. und 31.12. geschlossen
Die Ausstellungen werden umgebaut und bleiben bis zum 18. Oktober 2012 geschlossen. Wir informieren Sie rechtzeitig über die Neueröffnung.
Einige Veranstaltungen finden dennoch statt. Bitte informieren Sie sich dazu im Veranstaltungskalender. Auch Workshops, Projekttage und Kindergeburtstage können auf Nachfrage gebucht werden.